Wie kann Osteopathie bei einem Bandscheibenvorfall helfen?

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Wer kennt es nicht, eine falsche Bewegung und es zieht ein heftiger Schmerz in den Rücken. Wer häufiger mit Rückenschmerzen zu kämpfen hat, hegt schnell die Sorge, dass ein Bandscheibenvorfall vorliegt.

1.Symptome eines Bandscheibenvorfalls

 

Ein Bandscheibenvorfall tritt am häufigsten zwischen 30 und 50 Jahren auf und muss sich nicht immer mit Beschwerden zeigen. Typische Symptome sind je nach Ausmaß und Lokalisation Rückenschmerzen, die in Beine oder Arme ziehen, Empfindungsstörungen wie Ameisenlaufen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen in Bein oder Arm oder Störungen der Blasen- und Darmentleerung.

Werden diese Symptome beobachtet, kann man davon ausgehen, dass die Bandscheibengewebe gegen eine der Nervenwurzeln, das Rückenmark oder das Nervenfaserbündel drückt.

Der erste Weg bei einem Verdacht auf Bandscheibenvorfall sollte immer zum Arzt sein. Er kann durch bildgebende Verfahren, wie die Magnetresonanztomographie (MRT) die Art und den Ort des Vorfalls bestimmen. Eine Operation ist in den meisten Fällen unnötig, denn oft kann mit konventionellen Methoden geholfen werden.

Bandscheibenvorfall Hamburg Osteoversum

Haben Sie Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen an den Armen oder Beinen? In diesem Fall rufen Sie bitte umgehend die 112. Es kann sich um einen Notfall handeln, bei dem es auf schnelle Hilfe ankommt.

 

2. Was ist ein Bandscheibenvorfall

Bei einem Bandscheibenvorfall kommt es zum Zerreißen des äußeren Faserrings (Anulus fibrosus) der Bandscheibe. Dadurch kann der zähflüssige Gallertkern (Nucleus pulposus) austreten. Typischerweise entsteht ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule, da hier das Körpergewicht einen besonders starken Druck ausübt. Mediziner sprechen dann von einem lumbalen Bandscheibenvorfall. Die Symptome strahlen meist vom unteren Rücken in die Beine aus und sind besonders unangenehm, wenn es den Ischiasnerv betrifft. Er ist unser dickster Nerv im Körper und führt bei einem Bandscheibenvorfall zu einschießenden oder elektrisierenden Schmerzen, die vom Gesäß über die Rückseite des Oberschenkels bis zum Fuß verlaufen können. Bei Husten, Niesen oder Bewegung können sich die Beschwerden verschlimmern.

Ein Bandscheibenvorfall kann auch in der Halswirbelsäule entstehen. Bei diesem zervikalen Bandscheibenvorfall strahlen die Schmerzen meist vom Halsbereich in die Arme.

An der Brustwirbelsäule ist ein Bandscheibenvorfall extrem selten, da die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule in Rotation sehr begrenzt ist. Dieser thorakale Bandscheibenvorfall ist meist von seinen Symptomen auf den betroffenen Wirbelsäulenabschnitt begrenzt.

Unsere Wirbelsäule gibt uns Stabilität und trotzdem Beweglichkeit. Sie besteht aus 7 Halswirbeln, 12 Brustwirbeln und 5 Lendenwirbeln. Das sich anschließende Kreuzbein und Steißbein besteht aus Wirbelkörpern, die miteinander verschmolzen sind.

Während der Wirbelkörper unser Gewicht trägt, bilden die Dornfortsätze nach hinten und zur Seite die Gelenkflächen, die sogenannten Facettengelenke.

Vor und hinter den Wirbelkörpern verläuft ein kräftiges Band, dass unsere Wirbelsäule stabilisiert. Zwischen dem Dornfortsatz und dem Wirbelkörper liegt der Wirbelkanal, durch den das Rückenmark führt. Zwischen den Wirbelkörpern entspringen rechts und links die Spinalnerven, die zu den Muskeln, inneren Organen und zur Hautoberfläche führen.

Die Bandscheibe bildet den Puffer zwischen den einzelnen Wirbelkörpern. Sie besteht aus einem festen Bindegewebsring und einem gallertartigen Kern. Der Faserring garantiert eine hohe Zugfestigkeit, so dass bei einer Beugung der Wirbelsäule der Gallertkern zur anderen Seite ausweichen kann. Da diese Faser allerdings eher in längsrichtung und nur begrenzt quer verlaufen, sind die Bandscheiben für Rotationsbelastungen sehr anfällig.

3. So ist die Wirbelsäule aufgebaut

 
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4. Habe ich bei Rückenschmerzen immer einen Bandscheibenvorfall?

 

Auch wenn Sie Symptome spüren, die auf einen Bandscheibenvorfall schließen können, gibt es auch andere Ursachen für derlei Beschwerden. Manchmal sind es Verspannungen oder Wirbelsäulenveränderungen wie Abnutzungen oder Entzündungen. Auch neurologische Erkrankungen können zu einem ähnlichen Beschwerdebild führen. Schmerzen die bis ins Bein ziehen können von einer Blockade des Iliosakralgelenks herrühren.

5. Was machen Osteopathen bei einem Bandscheibenvorfall?
 

Besteht der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall, sollten Sie diesen stets vom Facharzt abklären lassen. Eine Bildgebung kann auch für eine darauf folgende osteopathische Behandlung hilfreich sein.

Bei einem akuten Bandscheibenvorfall überprüft der Osteopath mit verschiedenen neurologischen Tests, ob eine Behandlung überhaupt möglich ist. Dabei wird die Sensibilität der Haut, die Reflexe und die Reizung des Rückenmarks getestet.

Erlauben die Ergebnisse eine Behandlung, ist es das Ziel, die Region des akuten Bandscheibenvorfalls zu entlasten.

  • Techniken zur Muskelentspannung werden genutzt, da durch eine häufige Schiefhaltung des Patienten, häufig starke Muskelverspannungen entstehen.

  • Knöcherne Fehlstellungen, wie z.B. eine Beckenrotation werden korrigiert, da diese ursächliche Belastungen auf die Bandscheibe ausüben können.

  • Drainagetechniken werden genutzt, um Schwellungen um den Wirbel herum zu beseitigen.

  • Techniken zur Behandlung des Zwerchfells werden genutzt, um den Rückfluss der Stauungen an den Wirbelkörpern zu fördern. Dies verbessert häufig auch die Haltung des Patienten, da diese Behandlung schmerzlindernd wirken kann.

  • Techniken zur muskulären An- und Entspannung haben eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem und nimmt die starken Irritationen.

6. Möglicher Therapieansatz in der Osteopathie
 

Nach einer eingehenden Untersuchung und dem Ausschluss von Kontraindikationen für eine osteopathische Behandlung, beginnt die Behandlung. Nachfolgend werden Behandlungsabläufe exemplarisch dargestellt, die sich bei einem Bandscheibenvorfall als effektiv gezeigt haben. Ich möchte aber ganz klar herausstellen, dass eine Verallgemeinerung nicht möglich ist und jeder Patient individuell untersucht und bewertet werden muss.

Therapieansatz für einen lumbalen Bandscheibenvorfall:

  • Justierung des betroffenen Wirbelsegments mit Impuls- und/oder Muskeltechniken. (Impulstechniken setzen ein großes Maß an Erfahrung seitens des Therapeuten voraus und sollten bei einem Bandscheibenvorfall meist nur unter vorheriger radiologischer Abklärung genutzt werden)
     

  • Entspannung und Dehnung der umgebenden Muskulatur. Hier sind speziell die folgenden Muskeln wichtig:

    • M. iliopsoas

    • Diaphragma thoracalis (Zwerchfell)

    • M. quadratus lumborum, Diaphragma pelvis (Beckenboden)

    • M. erector trunci/spinae
       

  • Verbesserung der venösen Drainage über Zwerchfell und Beckenboden
     

  • Weiterführend bietet sich eine Otimierung der Körperstatik an, falls notwendig. Auch medizinische Trainingstherapie sollte durchgeführt werden, um die betroffenen Areale muskulär zu stärken.
     

  • Eine Zusammenarbeit mit den physiotherapeutischen Kollegen/innen ist sehr gewünscht, um Kompetenzen zu bündeln und die besten Resultate für den Patienten zu erzielen.

Da die Osteopathie in ihrer Ganzheitlichkeit Wert auf das Finden der Ursache legt, sollte nach der akuten Phase noch einmal überprüft werden, was zu diesem Bandscheibenvorfall überhaupt geführt hat. Fehlbelastungen, die zu einer falschen Statik führen, oder Spannungen im Organ- und Nervensystem sind gut behandelbar und können präventiv gegen einen erneuten Bandscheibenvorfall wirken.

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