Schwindel (Vertigo): Ursachen und "osteopathische" Behandlung

Schwindel
 

Was ist Schwindel?

Eine Schwindelattacke hat wohl jeder von uns schon einmal erlebt. Auch in unserer Praxis erfahren wir von unseren Patienten immer wieder von derartigen Beschwerden.
Schätzungen zeigen, dass jeder Dritte im Leben einmal einen mittleren oder schweren Schwindelanfall erleidet. Das Risiko für eine derartige Attacke steigt mit dem Alter. Während Kleinkinder fast immun sind, da ihr Gleichgewichtssinn noch nicht vollständig ausgeprägt ist, können bei älteren Kindern diese Beschwerden häufiger auftreten, insbesondere bei kurvigen Autofahrten. Sie haben meist zu wenig gegessen oder getrunken. Ab 60 Jahren werden Schwindelattacken langsam häufiger. Gründe sind altersbedingte Veränderungen und alterstypische Erkrankungen.

Schwindel entsteht, wenn das Gehirn widersprüchliche Informationen von unserem

Gleichgewichtssinn erhält. Genauso kann aber auch eine gestörte Signalweiterleitung

an das Gehirn ursächlich für eine Schwindelattacke sein.

Meist sind die Ursachen für Schwindel harmlos, können aber auch einen ernsteren Hintergrund haben.

Schwindel kann in verschiedenen Formen auftreten: als Dreh- oder Schwankschwindel. Er kann einmalig, aber auch wiederholt auftreten.

Ursachen:

 
  • Kleine Kristalle im Gleichgewichtsorgan

  • Nervenentzündung

  • Morbus Menière

  • Migräne

  • Epilepsie

  • Gestörte Hirndurchblutung

  • Herzrhythmusstörungen

  • Herzschwäche

  • Reisekrankheit

  • Unterzucker

  • Medikamente

  • Alkohol & Drogen

Der Gleichgewichtssinn

Unser Gleichgewichtssinn dient der räumlichen Orientierung und steuert unser Gleichgewichtsempfinden.

Dabei kommt es auf das Zusammenspiel dreier Sinnesorgane an:

  • Vestibularapparat: Ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum zwischen Trommelfell und Gehörschnecke in unserem Innenohr. Bewegt sich die Flüssigkeit werden Sinneszellen an den Wänden des Vestibularapparates gereizt.

  • Gleichgewichtsnerv: dieser Nerv leitet die entstehenden Reize an das Gehirn weiter
    (Dort gehen auch die Informationen der Augen zu räumlichen Fixpunkten und dem Horizont ein).

  • Tiefenrezeptoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken: Sie teilen dem Gehirn mit, wenn das zum Beispiel das Kniegelenk Schwankungen ausgleichen muss.

 

Vestibulärer Schwindel

Diese Form von Schwindel entsteht im Kopf. Es entstehen also entweder widersprüchliche Reize, oder die Weiterleitung der entstandenen Signale an das Gehirn ist gestört. Der Auslöser ist in diesem Fall in unserem Gleichgewichtssinn zu suchen.

Sind das Innenohr oder der Gleichgewichtsnerv betroffen, handelt es sich um peripheren vestibulären Schwindel. Liegt die Ursache in Hirnstamm, Kleinhirn oder Großhirn, spricht man von einem zentralen vestibulären Schwindel.

Vestibulärer Schwindel äußert sich bei den Betroffenen meist als Drehschwindel.

Häufige Formen von vestibulärem Schwindel:

  • Lagerungsschwindel (Kristalle gelangen in den Bogengang; häufigste Form von Schwindel)

  • Neuritis vestibularis (Entzündung des Gleichgewichtsnervs)

  • Vestibulopathie (kann durch Medikamente entstehen)

  • Vestibularisparoxysomie (Ursachen bisher unklar)

  • Morbus Meniére

  • Basilaris-Migräne

  • Durchblutungsstörungen im Gehirn (z. B. bei einem Schlaganfall)

  • Akustikusneurinom (gutartige Geschwulst des achten Hirnnervs)

  • Felsenbeinfraktur mit Lapyrinthausfall

  • Vestibuläre Epilepsie (Schwindel geht häufig einem Anfall voraus)

  • Reisekrankheit (Überflutung des Innenohrs mit Reizen, die nicht zugeordnet werden können)

 

Nicht-vestibulärer Schwindel

Bei dieser Form des Schwindels kann sich der Betroffene nicht mehr im Raum orientieren, bewegt sich unsicher und neigt zu Stürzen. Hier arbeiten die Gleichgewichtsorgane einwandfrei.

 

Die Ursache liegt vielmehr in anderen Regionen des Körpers.

  • Halswirbelsäulen-Syndrom

  • Niedriger Blutdruck

  • Bluthochdruck

  • Blutarmut

  • Herzrhythmusstörungen

  • Herzschwäche

  • Schwangerschaft

  • Niedriger Blutzuckerspiegel (Unterzucker)

  • Vegetative diabetische Polyneuropathie

  • Gefäßverkalkung

  • Karotissinussyndrom

  • Medikamente

  • Hyperventilation

  • Schlecht eingestellte oder ungewohnte Brille

 
 
 

Schwindel kann auch ohne erkennbare körperliche Ursache auftreten. Betroffene leiden dann meist unter verschiedenen weiteren Beschwerden wie Luftnot oder Antriebslosigkeit. Sie können ein Zeichen von psychischen Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen sein.

Eine typische Form des Schwindels, die einen psychischen Hintergrund hat, ist der phobische Schwindel. Er ist der häufigste Schwindel in der Altersgruppe von 30 – 50 Jahren. Dieser Schwindel geht häufig mit Panikattacken einher und zeigt sich als Schwankschwindel mit Benommenheit, Stand- und Gangunsicherheit und häufigen Stürzen.

 

Schwindel im Alter

Die Auslöser für Schwindel im Alter sind vielfältig. Am häufigsten handelt es sich um den Lagerungsschwindel, bei dem kleine Kristalle in den Bogengang verrutschen. Typisch sind aber genauso ein zu hoher oder niedriger Blutdruck, Gefäßerkrankungen, Parkinson, Stoffwechselerkrankungen, Diabetes mellitus oder die Einnahme bestimmter Medikamente.

Schwindel kann aber genauso eine Folge des Alterungsprozesses sein. So können Sinnesorgane schlechter funktionieren, das Innenohr schlechter durchblutet sein, oder die Nervenübertragung verlangsamt sein. Dies kann sich in Schwank- oder Drehschwindel oder auch Benommenheit mit einhergehenden Gleichgewichtsstörungen äußern.

Auch ein eingeschränktes Sehvermögen, sowie die Abnahme der Muskelmasse und -Kraft können Schwindelattacken bewirken.

Insbesondere im Alter sollte man aber auch die psychischen Faktoren nicht außer Acht lassen. So sollen etwa ein Drittel aller Schwindelanfälle im Alter auf Depressionen, Einsamkeit und Trauer zurückzuführen sein.

Welche Formen von Schwindel gibt es?

  • Drehschwindel kennen viele nach übermäßigem Alkoholgenuss. Die Umwelt scheint sich zu drehen. Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen und ein vermindertes Hörvermögen können zusätzlich auftreten.

  • Beim Schwankschwindel haben Betroffene das Gefühl, den Boden unter ihren Füßen zu verlieren. Selbst im Stand bleibt das Schwindelgefühl erhalten. Weitere Symptome treten aber nur selten auf.

  • Fühlen sich die Betroffenen als würden sie fallen, leiden sie am Liftschwindel. Sie fühlen sich als würden sie permanent mit einem Aufzug nach oben oder unten fahren.

  • Beim Pseudo-Vertigo fühlen sich die Betroffenen benommen und ihnen wird Schwarz vor Augen. Hier ist der Unterschied, dass sich die Umgebung nicht zu bewegen scheint. Aus diesem Grund spricht man hier nicht von einem „echten“ Schwindel.

 

Wann sollte man seinen Schwindel abklären lassen?

Bei den meisten Schwindelattacken handelt es sich um Einzelfälle, die sich schnell wieder geben. Es gibt aber Formen, bei denen eine Untersuchung ratsam ist:

  • Plötzlicher und heftiger Schwindel ohne äußere Ursache

  • Kopfbewegungen die immer wieder zu Schwindel führen

  • Schwindel der während einer Infektion mit oder auch ohne Fieber auftritt

  • Gleichgewichtsstörungen die sich immer in bestimmten Situationen zeigen, wie z. B. beim Autofahren

  • Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Ohrensausen, Benommenheit, Sehstörungen oder Atemnot die den Schwindel begleiten

 

 

Was kann der Osteopath tun?

Eine osteopathische Behandlung empfiehlt sich, wenn ein mechanischer Hintergrund als Ursache für die Schwindelattacken vermutet werden kann. Klassisch wäre hier das HWS-Syndrom zu nennen, durch die eine Weiterleitung der Signale gestört sein kann. Eine Verhärtung der Muskeln am Hinterkopf können die Nerven der oberen Halswirbelsäule irritieren, was Schwindelsymptome zur folge haben kann. Auch das Kiefergelenk steht im Fokus des Osteopathen. Sollten Sie nachts mit den Zähnen knirschen, oder Bissanomalien haben, so wirkt sich dies oftmals auf die weitere Körperstatik aus.

Dies und weitere mögliche Ursachen begutachten wir im Rahmen der körperlichen Untersuchung. Um eine genaue Diagnose stellen zu können, werden in der Anamnese Fragen zum Schwindel selbst gestellt: Wie fühlt er sich an? Tritt er anfallsartig auf, oder dauerhaft?
Aber auch die Lebensgewohnheiten, Grunderkrankungen oder Medikation spielen eine Rolle. Manchmal kann auch das Führen eines Schwindeltagebuchs hilfreich sein.

 

 

Sie möchten Schwindel im Alter vorbeugen? Dann haben wir folgende Übungen für Sie:

  • Blicken Sie abwechselnd nach oben und unten, ohne den Kopf zu bewegen

  • Folgen Sie mit dem Blick einem Bleistift, den Sie vor Ihrem Gesicht hin und her führen

  • Neigen Sie den Kopf nacheinander in Richtung Brust, Nacken, rechter und linker Schulter

Haben Sie Fragen zum Artikel?

 

Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf:

Tel.: 040 688759966

Mail: praxis@osteoversum.de

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