Mitochondrien als möglicher Schlüsselfaktor bei Morbus Crohn
Warum die Darmbarriere bei Patienten mit Morbus Crohn selbst während einer klinischen Remission geschwächt bleiben kann, war bislang nicht vollständig geklärt. Jetzt konnte eine Forschergruppe der Universität zu Lübeck und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eine mögliche Ursache identifizieren.

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Forschende haben einen bislang ungeklärten Mechanismus bei Morbus Crohn beschrieben. Bestimmte Immunzellen im Darm können offenbar nicht genügend Energie über ihre Mitochondrien bereitstellen. Dadurch reifen sie nicht vollständig aus und produzieren zu wenig sekretorisches Immunglobulin A, einen wichtigen Schutzantikörper der Darmschleimhaut.
Die Studie wurde in Nature Communications veröffentlicht. Sie untersucht Zusammenhänge zwischen Antikörperantworten, B-Zell-Biologie und entzündlichen Erkrankungen und berührt damit auch zentrale Fragestellungen des neuen Graduiertenkollegs GRK 3095 „Protektive und pathogene Antikörperantworten an Barriereorganen“.
Morbus Crohn gehört neben Colitis ulcerosa zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und verläuft häufig in wiederkehrenden Schüben. Frühere Untersuchungen hatten bereits Hinweise darauf geliefert, dass die antikörpervermittelte Immunantwort der Darmbarriere auch während einer klinischen Remission verändert bleibt. Damit könnte das Risiko erneuter Entzündungen zusammenhängen. Welche Mechanismen hinter diesem anhaltenden Immundefekt der Darmschleimhaut stehen, war jedoch nicht ausreichend geklärt.
B-Zellen bleiben in einem unreifen Stadium
Ein Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Stefanie Derer-Petersen von der Universität zu Lübeck untersuchte Gewebeproben aus der Dickdarmschleimhaut von Patienten mit Morbus Crohn.
Dabei zeigte sich, das im Darm zwar viele B-Zellen vorhanden waren. Diese Immunzellen entwickelten sich jedoch nicht vollständig zu reifen Plasmazellen weiter. Genau diese Plasmazellen sind wichtig, weil sie große Mengen eines bestimmten Antikörpers bilden: sekretorisches Immunglobulin A, kurz sIgA.
Dieser Antikörper gehört zu den wichtigsten Schutzfaktoren der Darmschleimhaut. Er hilft dabei, Bakterien und andere unerwünschte Eindringlinge abzufangen, bevor sie die Darmwand reizen oder Entzündungen fördern können. Bei den untersuchten Patienten war deutlich weniger sIgA vorhanden, sowohl im Darmgewebe als auch im Stuhl. Dadurch fehlt ein entscheidender Bestandteil der Darmbarriere, obwohl das Immunsystem im Gewebe grundsätzlich aktiv ist.

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248 Seiten, 154 x 205 mm, broschiert, mit zahlreichen farbigen Abbildungen
Gestörter Energiestoffwechsel der Immunzellen
Die Forscher fanden zugleich einen Zusammenhang zwischen der unvollständigen Reifung der Plasmazellen und einer eingeschränkten Funktion der Mitochondrien. Diese Zellorganellen sind wesentlich an der Energiegewinnung beteiligt.
Die betroffenen Immunzellen können offenbar nicht ausreichend auf die mitochondriale Energieproduktion zurückgreifen. Gerade für reife Plasmazellen ist dieser Stoffwechselweg relevant, weil sie große Mengen sekretorischer IgA-Antikörper herstellen müssen. Damit rückt der fehlgeleitete Stoffwechsel der Zellen als potenzielle therapeutische Zielstruktur bei Morbus Crohn in den Fokus.
Könnte IHHT Höhentraining den Zellstoffwechsel bei Morbus Crohn unterstützen?
Die neuen Erkenntnisse zur gestörten mitochondrialen Energiegewinnung bei Morbus Crohn machen auch Verfahren wie die Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT) interessant. Durch wiederholte Phasen mit reduziertem und erhöhtem Sauerstoffangebot setzt IHHT gezielte Anpassungsreize auf den Zellstoffwechsel und beeinflusst unter anderem hypoxieabhängige Signalwege. Ob sich dadurch auch die Funktion von B-Zellen, die Reifung zu Plasmazellen oder die Bildung von schützendem IgA verbessern lässt, ist bislang jedoch nicht untersucht. Die neuen Daten liefern aber einen plausiblen Ansatz für weitere Forschung und werfen die Frage auf, ob metabolische Verfahren künftig ergänzend dazu beitragen könnten, die Funktion der Darmbarriere zu unterstützen.
Mehr darüber, wie IHHT funktioniert, für wen das Verfahren infrage kommen kann und wie eine Anwendung abläuft, erfahren Sie auf unserer Seite IHHT – Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie.



