Leben mit Arthrofibrose: Wie Sie trotz steifem Gelenk aktiv bleiben können
- Sascha Bade

- 3. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Arthrofibrose verändert den Alltag. Plötzlich werden Wege länger und Stufen höher. Viele meiner Patienten kennen dieses Wechselspiel: Heute geht es einigermaßen. Morgen ist alles wieder steifer. Dazu kommen Fragen, die zermürben können: Wie viel Bewegung ist gut? Wann ist es zu viel? Und wie bleibt man aktiv, ohne ständig Rückschläge zu provozieren?

Inhaltsverzeichnis:
Nachdem ich seit fast zehn Jahren mit Arthrofibrose-Patientinnen und -Patienten arbeite, möchte ich Ihnen einen Gedanken mitgeben, der vieles leichter macht: Aktiv sein heißt nicht, sich durchzubeißen. Aktiv sein heißt, klug zu dosieren. Gestalten Sie Ihren Alltag so, dass Ihr Gelenk möglichst wenig „gegen Sie“ arbeitet. Und so, dass Sie wieder mehr Handlungsspielraum gewinnen. Schritt für Schritt.
Alltagstipps, die wirklich helfen
Treppen: Treppen sind für viele der Endgegner. Machen Sie sie planbar. Nutzen Sie konsequent das Geländer. Gehen Sie langsamer. Setzen Sie den Fuß bewusst auf. Wenn ein Knie betroffen ist, führt beim Hochgehen das „bessere“ Bein. Beim Runtergehen führt dann das „schwächere“. Merksatz: Hoch mit Kraft, runter mit Schutz. Und wenn möglich: Teilen Sie Wege. Lieber zweimal kurz als einmal zu viel.
Sitzen: Langes Sitzen macht steifer. Vor allem, wenn das Gelenk in einer ungünstigen Position „einrastet“. Legen Sie sich eine einfache Regel zurecht: Alle 20–30 Minuten einmal verändern. Sie müssen nicht immer aufstehen. Manchmal reicht es, das Bein anders zu lagern, kurz zu strecken oder die Hüfte zu kippen. Hilfreich ist auch eine Sitzhöhe, bei der Sie ohne „Kampf“ aufstehen können. Ein Keilkissen oder eine leicht erhöhte Sitzfläche kann sehr entlasten.
Längeres Stehen: Stehen ist tückisch, weil es still aussieht, aber viel Spannung erzeugt. Arbeiten Sie mit kleinen Gewichtswechseln. Stellen Sie einen Fuß leicht erhöht auf eine kleine Stufe oder ein Buch. Wechseln Sie alle paar Minuten. Nutzen Sie Pausen aktiv: einmal kurz gehen, einmal kurz strecken, einmal tief ausatmen. Das klingt banal. Ist aber Strategie.
Schlafpositionen: Schlaf ist Regeneration. Und gleichzeitig eine Herausforderung, wenn das Gelenk nachts „zieht“. Viele meiner Patienten profitieren von stabiler Lagerung. Ein Kissen zwischen den Knien in Seitenlage. Oder ein Kissen unter dem Unterschenkel, wenn Rückenlage besser geht. Zwingen Sie sich bitte nicht in eine Position. Ziel ist nicht die perfekte Haltung, sondern weniger Druck, weniger Alarm im System.
Bewegung, die nicht überfordert
Bei Arthrofibrose geht es selten um „mehr“. Es geht um „passender“. Sie suchen Bewegungen, die Durchblutung fördern, das Gewebe beruhigen und Ihnen wieder ein Gefühl von Kontrolle geben.
Radfahren: Für viele ist Radfahren ein Türöffner. Weil es rhythmisch ist. Weil es geführt ist. Starten Sie niedrig. Hoher Sattel, kleine Übersetzung, kurze Dauer. Am Anfang reichen fünf Minuten. Ja, wirklich. Wichtig ist die Regelmäßigkeit, nicht die Heldentat.
Aquatraining: Wasser entlastet. Wasser macht mutiger. Weil Sie sich freier bewegen können. Aquajogging, Wassergymnastik, lockeres Schwimmen kann helfen, ohne das Gelenk zu „überhitzen“. Und oft verbessert sich danach das Körpergefühl. Das ist nicht nur Training. Das ist Nervensystempflege.
Angepasstes Krafttraining: Kraft ist ein Schutzfaktor. Aber die Dosis entscheidet. Denken Sie in stabilen, kleinen Bewegungen. Mehr Qualität, weniger Last. Isometrische Übungen (Halten statt Bewegen) sind oft ein guter Einstieg. Ebenso Training in Teilbewegungen, wenn volle Beweglichkeit noch nicht geht. Planen Sie Pausen ein, bevor Sie sie brauchen. Nutzen Sie auch den „Crossing-Effekt“. Wenn ihr linkes Knie betroffen ist, trainieren Sie mit dem rechten Bein. Sie haben trotzdem einen Trainingseffekt im linken Bein.
Ein guter Kompass ist nicht nur der Schmerz während der Übung. Sondern die Reaktion danach. Wie fühlen Sie sich am Abend? Und am nächsten Morgen? Wenn Ihr Gelenk jedes Mal „nachschwingt“, war es zu viel. Dann reduzieren Sie. Ohne Drama. Das ist Training.
Rückschläge gehören dazu – und sind nicht das Ende
Therapie verläuft selten linear. Es gibt gute Wochen. Dann kommt ein Rückschritt. Das frustriert. Und es ist verständlich, wenn Sie dann alles infrage stellen.
Hier hilft ein Perspektivwechsel, denn Rückschläge sind oft keine Niederlage. Sie sind Feedback. Vielleicht war die Belastung zu hoch. Vielleicht war zu viel Stress im System. Vielleicht zu wenig Schlaf. Vielleicht eine ungünstige Kombination aus Alltag, Therapie und Erwartungen.
Machen Sie Rückschläge messbar. Statt „Alles wird schlimmer“ fragen Sie: Was genau ist anders? Mehr Steifigkeit morgens? Mehr Schwellung? Mehr Ziehen bei bestimmten Bewegungen? So wird aus Angst wieder Steuerung.
Hilfreich ist ein Notfallplan. Ganz schlicht:
zwei bis drei beruhigende Bewegungen, die immer gehen
eine kurze Einheit statt „gar nichts“
Wärme oder Kälte, je nachdem, was Ihnen hilft
ein Satz, der Sie runterholt: Heute ist ein schlechter Tag. Nicht mein neues Leben.
Kleine Fortschritte, große Wirkung
Empowerment beginnt nicht mit dem perfekten Gelenk. Sondern mit dem ersten kleinen „Ich kann wieder“. Das kann sein: eine Treppe weniger Angst. Zehn Minuten Spazieren ohne Nachbrennen. Ein besserer Schlaf. Ein Tag, an dem Sie wieder gekocht haben.
Solche Fortschritte wirken unspektakulär. Aber sie verändern Ihren Alltag. Sie geben Ihnen Selbstwirksamkeit zurück. Und sie nehmen Druck aus dem System.
Eine Patientin von mir beginnt mit drei Minuten Rad fahren am Morgen. Nur drei. Zwei Wochen später sind es sieben. Nicht, weil sie „durchgezogen“ hat. Sondern weil der Körper wieder Vertrauen fasst. Ein anderer Patient stellt sich beim Zähneputzen auf ein kleines Balancekissen. Jeden Tag. 60 Sekunden. Nach einem Monat steht er stabiler. Und traut sich wieder mehr zu.
Das ist der Kern: Sie bauen ein System, das Sie trägt. Kein Programm, das Sie überrollt.
Ihr Alltag ist ein Teil der Therapie
Arthrofibrose kann hartnäckig sein. Aber Sie sind nicht hilflos. Sie können Ihre Umgebung anpassen. Sie können Bewegung wählen, die Sie stärkt, statt stresst. Sie können Rückschläge einordnen. Und Sie können Fortschritte sichtbar machen.
Nicht alles wird schnell besser. Aber vieles wird wieder möglich. Aktiv bleiben heißt hier nicht „leisten“. Aktiv bleiben heißt: dranbleiben. Klug. Geduldig. Und mit dem Blick auf das, was heute geht.
Ihr Ansprechpartner zum Thema Arthrofibrose im Osteoversum Hamburg

Sascha Bade
D.O. Osteopathie
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