top of page

Leaky-Gut-Syndrom in den Wechseljahren: Warum plötzlich Darmprobleme entstehen

Aktualisiert: vor 5 Stunden

Viele Frauen erleben in den Wechseljahren Beschwerden, die sich schwer einordnen lassen. Das können neu entstandene Unverträglichkeiten sein, aber auch Müdigkeit, Brain Fog, Hautprobleme oder „entzündliche“ Gelenkschmerzen. Wenn ihnen diese Beschwerden bekannt vorkommen, sollten Sie auch einmal an Leaky Gut denken.


Leaky-Gut-Syndrom in den Wechseljahren: Warum plötzlich Darmprobleme entstehen
Leaky Gut kann sich hinter vielen Symptomen verbergen.

Inhaltsverzeichnis:




Was versteht man Leaky Gut?

Ihr Darm ist keine „undichte Röhre“, sondern eine hochregulierte Barriere. Er soll Nährstoffe aufnehmen, gleichzeitig aber Keime und unerwünschte Bestandteile zurückhalten. Das gelingt u. a. durch die Darmflora, die Schleimschicht und die „Tight Junctions“ (Dichtungsstrukturen) zwischen den Darmzellen. Wenn dieses System aus dem Gleichgewicht gerät, kann die Durchlässigkeit ansteigen.

Wichtig vorweg: „Leaky-Gut-Syndrom“ ist keine klar definierte medizinische Diagnose, sondern ein Sammelbegriff, der meist eine erhöhte Darmdurchlässigkeit (intestinal permeability) meint. Diese lässt sich nicht zuverlässig „nur anhand von Symptomen“ feststellen.





Warum Wechseljahre den Darm beeinflussen können

In den Wechseljahren verändern sich Östrogen- und Progesteronspiegel deutlich. Diese Hormone wirken nicht nur auf Zyklus und Hitzewallungen, sondern auch auf Immunaktivität, Schleimhäute und Stoffwechsel – und damit auch auf den Darm. Studien konnten zeigen, dass hormonelle Umstellungen das Mikrobiom verändern können.


Es gibt Hinweise aus Studien, dass sich in den Wechseljahren bestimmte Messwerte für eine „durchlässigere“ Darmbarriere verändern können. Diese Veränderungen treten teils zusammen mit Entzündungsprozesse im Körper auf. In einer kleinen Vorstudie wurde außerdem untersucht, ob es dabei auch Zusammenhänge mit der Knochendichte geben könnte.

Das beweist natürlich noch nicht, dass ein „Leaky Gut“ die Ursache für alle Beschwerden ist. Es deutet aber darauf hin, dass der Darm in den Wechseljahren empfindlicher reagieren kann.


Der Körperkompass

Jetzt bestellen!


Der Körperkompass

Von Sascha Bade

Zur Leseprobe

Der Arthrose Kompass

Jetzt bestellen!


Der Arthrose Kompass

Von Sascha Bade


Zur Leseprobe



Typische Beschwerden – und warum sie unspezifisch sind

Häufig berichten Betroffene über:


  • Verdauung: Blähungen, Druckgefühl, wechselnder Stuhl, Bauchschmerzen, Sodbrennen

  • Systemisch: Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Hautirritationen, diffuse Gelenkbeschwerden, Stimmungsschwankungen

 

Das Schwierige ist: Die typischen „Leaky-Gut“-Beschwerden sind nicht eindeutig zuzuordnen. Blähbauch, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, Müdigkeit, Brain Fog oder Hautprobleme können bei sehr vielen anderen Ursachen genauso auftreten – teilweise sogar häufiger.



  • Reizdarm (IBS): Der Darm ist überempfindlich, reagiert stärker auf Stress, bestimmte Lebensmittel oder hormonelle Schwankungen. Die Darmwand ist dabei nicht „kaputt“, aber die Verdauung ist gestört.

  • Nahrungsmittelintoleranzen: Etwa Laktose- oder Fruktoseintoleranz oder eine Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Kohlenhydraten (FODMAPs). Das führt dann oft zu Blähungen, Bauchkrämpfen und Durchfall – ohne dass es ein „Leaky Gut“ sein muss.

  • Schilddrüsenprobleme: Eine Unterfunktion kann Verstopfung, Gewichtszunahme und Müdigkeit machen, eine Überfunktion eher Durchfall, Unruhe, Herzklopfen.

  • Eisenmangel oder Vitaminmangel: Kann starke Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und Haarausfall auslösen – also Symptome, die viele fälschlich nur dem Darm zuschreiben.

  • Medikamente: Bestimmte Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen), Magensäureblocker, Antibiotika oder auch einige Antidepressiva können den Darm reizen oder das Mikrobiom verändern – und so Beschwerden verursachen.

  • Entzündliche Darmerkrankungen oder Zöliakie: Wenn Alarmzeichen da sind (Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, Fieber, nächtliche Durchfälle), muss ärztlich abgeklärt werden.

 

Aus diesem Grund raten wir davon ab Leaky Gut nur anhand von Symptomen zu diagnostizieren. Denn Symptome zeigen erst einmal nur: Da stimmt etwas nicht – aber nicht was genau.

Auch viele Stuhl- oder Bluttests, die im Internet als „Leaky-Gut-Test“ beworben werden, sind oft schwer zu interpretieren. Ein auffälliger Wert kann durch viele Faktoren beeinflusst sein (Ernährung, Infekte, Medikamente, Stress) und sagt allein noch nicht sicher, ob die Darmbarriere wirklich krankhaft gestört ist oder was man konkret tun sollte.




Diagnose: Ist es „Leaky Gut“?

Einen wichtigen Punkt vorweg: Eine eindeutige „Leaky-Gut-Diagnose“ ist in der Praxis schwierig, weil es aktuell noch keinen allgemein Standardtest gibt. Es gibt aber Untersuchungen, die Hinweise darauf geben können, ob die Darmbarriere gereizt ist oder ob Entzündung/Dysbalancen im Darm eine Rolle spielen.

 


1) Zonulin-Test (Blut oder Stuhl)


Zonulin ist ein körpereigenes Eiweiß, das mit der „Durchlässigkeit“ der Darmbarriere in Verbindung gebracht wird. Erhöhte Werte können ein Hinweis sein, dass die Barriere gerade stärker „offen“ steht.


Wichtig für die Einordnung:

  • Ein einzelner Wert ist nicht beweisend.

  • Zonulin kann auch durch andere Faktoren beeinflusst sein (z. B. akute Reizungen, Infekte, bestimmte Erkrankungen).

  • Deshalb sollte man Zonulin nie isoliert betrachten, sondern immer zusammen mit Beschwerden und weiteren Befunden.

 


2) Laktulose-Mannitol-Test (Zucker-Test mit Urinprobe)


Dieser Test gilt als eine der klassischen Methoden, um die Darmdurchlässigkeit funktionell zu prüfen.


So läuft er ab:

  • Man trinkt eine Lösung mit zwei Zuckern: Mannitol (klein) und Laktulose (größer).

  • Mannitol kann normalerweise in begrenztem Maß aufgenommen werden, Laktulose deutlich schlechter.

  • Danach wird im Urin gemessen, wie viel von beiden Zuckern ausgeschieden wird.


Die Idee dahinter:

  • Wenn im Verhältnis mehr Laktulose durchkommt, kann das auf eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmbarriere hindeuten.

  • Auch hier gilt: Ergebnis = Hinweis, keine alleinige Diagnose. Durchführung, Ernährung und begleitende Faktoren können das Resultat beeinflussen.

 


3) Stuhluntersuchung (Darmflora, Entzündung, Verdauungsleistung)


Eine Stuhluntersuchung kann sehr nützlich sein, um den Darmkontext zu verstehen – zum Beispiel:

  • Hinweise auf Entzündungen im Darm

  • Veränderungen der Darmflora (Dysbiose)

  • Hinweise auf Verdauungsstörungen oder Schleimhautreizungen

 

Diese Tests zeigen meist indirekt, dass im Darm etwas nicht stimmt. Sie beweisen nicht automatisch „Leaky Gut“, können aber helfen, Ursachen und passende Maßnahmen besser einzugrenzen.

 


4) Entzündungsmarker im Blut (z. B. CRP)


Marker wie CRP zeigen, ob im Körper gerade Entzündung aktiv ist. Das kann bei starken Beschwerden wichtig sein – ist aber kein Test auf Leaky Gut.


Einordnung:

  • Normaler CRP-Wert schließt Darmprobleme nicht aus.

  • Erhöhter CRP-Wert kann viele Ursachen haben (Infekt, Entzündung, chronische Erkrankung) und muss ärztlich abgeklärt werden.



Unser Tipp: So sollten Sie vorgehen

Statt „blind“ irgendeinen Test zu machen, ist häufig dieser Weg am hilfreichsten:

  1. Warnzeichen ausschließen (Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, Fieber, nächtliche Durchfälle etc.)

  2. Basisabklärung je nach Beschwerden (z. B. Blutbild, Eisen/Ferritin, ggf. Schilddrüse, Stuhlmarker bei Verdacht auf Entzündung)

  3. Dann gezielt testen, wenn es wirklich eine klare Fragestellung gibt (z. B. Permeabilitätstest, Intoleranzen, SIBO etc.)




Hilfe bei „Leaky Gut“

Wenn sich herausgestellt hat, dass ihre Darmbarriere gereizt oder geschwächt ist, geht es selten um die eine Wundermaßnahme. Wir nutzen dann meist ein Kombipaket aus Ernährung, Stressregulation, Schlaf und ggf. gezielter Nahrungsergänzung. Unser Ziel ist es dabei, Reizfaktoren zu reduzieren, die Darmschleimhaut zu unterstützen und das Mikrobiom zu stabilisieren.



1) Ernährung:


Eine darmfreundliche Ernährung kann helfen, Entzündungsreize zu senken und den Darm zu beruhigen. Bewährt haben sich vor allem:

  • Mehr Ballaststoffe (z. B. Gemüse, Hülsenfrüchte, Hafer, Leinsamen, Beeren)

  • Vielfalt statt Verbote: Viele verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche fördern eine stabile Darmflora.

  • Gute Fette (z. B. Olivenöl, Nüsse, Samen, fetter Seefisch): Sie unterstützen ein entzündungsärmeres Ernährungsprofil.


Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut oder Kimchi können ebenfalls hilfreich sein – allerdings nicht für jeden. Bei manchen Menschen (z. B. mit starker Blähneigung oder Histaminempfindlichkeit) können sie anfangs Beschwerden verstärken. Dann lieber klein starten.

 


2) Probiotika und Präbiotika:,


  • Probiotika sind lebende Mikroorganismen (Bakterienkulturen), die den Darm unterstützen können.

  • Präbiotika sind bestimmte Ballaststoffe, die „gute“ Darmbakterien füttern.


Beides kann sinnvoll sein – muss aber passen:

  • Wer stark zu Blähungen neigt, startet oft besser mit kleinen Mengen Präbiotika und steigert langsam. Wir empfehlen Flohsamenschalen.

  • Probiotika funktionieren am besten, wenn man sie gezielt auswählt (z. B. je nach Verträglichkeit und Beschwerdebild) und nicht wahllos wechselt.

 


3) Stress reduzieren:


Darm und Nervensystem sind eng verbunden. Stress kann Verdauung und Darmbarriere negativ beeinflussen – besonders, wenn Schlaf darunter leidet.

Hilfreich sind einfache, alltagstaugliche Tools:

  • Atemübungen: täglich für 15 Minuten 4 Sekunden einatmen und 6 Sekunden ausatmen.

  • Spaziergang nach dem Essen

  • Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung

Wichtig ist weniger die Methode als die Regelmäßigkeit.

 


4) Nahrungsergänzungen:


Bestimmte Nährstoffe werden häufig zur Unterstützung der Darmschleimhaut eingesetzt – am besten als Ergänzung zur Basis, nicht als Ersatz:

  • Omega-3-Fettsäuren: können ein entzündungsärmeres Milieu unterstützen

  • Zink: wichtig für Schleimhäute und Regeneration

  • Glutamin: eine Aminosäure, die Darmzellen als Energiequelle und Baustoff nutzen können und die bei manchen Konzepten zur Schleimhautunterstützung eingesetzt wird


Wichtig: Nahrungsergänzungen sind nicht automatisch nötig. Sinnvoll sind sie vor allem, wenn es Hinweise auf Mangel, hohe Belastung oder schlechte Regeneration gibt – oder wenn sie gut in ein strukturiertes Vorgehen passen.

 


5) Problematische Trigger reduzieren:


Manche Lebensmittel belasten den Darm vor allem dann, wenn die Verdauung ohnehin gereizt ist. Häufige Trigger sind:

  • Alkohol

  • viel Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel

  • sehr fettige, schwere Mahlzeiten

  • bei manchen: Gluten oder Milchprodukte (individuell!)


Ein pauschaler Komplettverzicht ist selten nötig. Besser ist ein zeitlich begrenzter Test (z. B. 2–4 Wochen) mit Beobachtung: Geht es Ihnen spürbar besser – und was genau hat den Unterschied gemacht? Danach kann man gezielt wieder aufbauen, statt dauerhaft immer mehr zu streichen.




Haben Sie Fragen ?


Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf:

Tel.: 040 35771101

Mail: praxis@osteoversum.de


Quellen & Studien:

bottom of page